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Ich bin: Theodoros Boulgarides

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buntkicktgut und die Aktion „Ich bin: Theodoros Boulgarides“ im Westend

 

Ich überlege mir jedes Mal aufs Neue ob nicht der Name meines Vaters auf dieser Gedenktafel hätte stehen können. Atme durch und laufe nach Hause. Ich habe es ja nicht weit, vielleicht drei, vier Minuten. Zuhause angekommen recherchiere ich im Internet: „Theodoros Boulgarides“. Der Mann, der quasi mein Nachbar war, fast so alt wie mein Vater und den Menschen in meiner Verwandtschaft sehr ähnlich sieht.

Typisch für das Westend. Jeder Dritte hier im Viertel hat ausländische Wurzeln. Viele Cafés, Döner-Läden, Kneipen und „Theos“ Schlüsseldienst. Ein kleines und buntes Viertel im Westen Münchens. Dass ich mir heute Gedanken über diesen einen Tag im Juni 2005 machen würde, hätte ich damals bestimmt nicht gedacht. Wir spielten mit Freunden Fußball auf unserem Bolzplatz, der Kazmairwiese. Irgendwann umkreiste ein Hubschrauber das Viertel, es waren Sirenen zu hören…Polizei, Krankenwagen. Wir wussten nicht was los war. Unsere Mütter laufen mit halb geschlossenem Kopftuch aufs Feld und nehmen uns mit nach Hause. Was war los? Wenig später ist alles klar… „Türken-Mafia schlug wieder zu“ titelte eine Münchner Zeitung. Danke für diese journalistische Meisterleistung! Danke auch an den Verfassungsschutz und die Polizei für die erfolgreiche und schnelle Aufdeckung dieses Falles. Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige desto bestürzter bin ich.

Ich, das ist Abdullah Biyik, Sohn von “Gastarbeitern” aus der Türkei, dessen Vater kaltblütig hingerichtet worden ist. Dieser Vater, der in Kontakt zur türkischer Mafia gestanden haben soll, Spielcasinos kontrolliert, in Drogengeschäfte verwickelt ist, Kontakt zum Prostitutionsring und Waffenhändlern hat… ach ja und nebenbei hat er mich sexuell misshandelt. Ich frage mich wie ich reagiert hätte, wenn die Polizei mir all diese Dinge an den Kopf geworfen hätte, so wie sie es mit den Kindern und Verwandten von Theodoros Boulgarides getan hat.

All dies ist passiert… “Theo” war einer von vielen… “Theo” war Nummer acht oder war er ganz einfach nur ein “Döner”? Es ist ein Skandal all diese Sachen zu lesen. Es ist unglaublich beschämend und diskriminierend. Die Opfer werden verhöhnt, die Täter in der rechten Szene gefeiert. Die Morde wurden erst im Jahr 2011 dem Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugeordnet. Nach sechs Jahren des Mordens an neun Menschen wird dem NSU der Prozess gemacht. Aber was sind Zahlen, der mediale Aufruf oder Gedenktafeln? Ich sehe da in keiner Hinsicht Gerechtigkeit. Aber was ist denn nun zu tun? Soll man Rache schwören? Den Menschen muss bewusst werden, dass Hass nur Hass erzeugt. Mehr Aufmerksamkeit innerhalb der Gesellschaft, mehr Mut zur Zivilcourage, mehr Akzeptanz. Ich möchte nicht in einem Deutschland voller Hass und Rassismus leben, in dem Religion, Hautfarbe oder Herkunft eine Rolle spielen.

buntkicktgut-Gründer Rüdiger Heid (rechts) im Gespräch mit dem Initiator der Aktion, Wolfgang Gebhard (links) und dem Cousin des NSU-Opfers (Mitte)

buntkicktgut-Gründer Rüdiger Heid (rechts) im Gespräch mit dem Initiator der Aktion, Wolfgang Gebhard (links) und dem Cousin des NSU-Opfers (Mitte)

Vom 17. bis 19. Oktober 2014 organisierten die westendstudios in Erinnerung an Theodoros Boulgarides ein vielfältiges Kulturprogramm, an dem sich auch buntkicktgut in Form eines Spieltages beteiligte. Gastgeber auf dem Georg-Freudendorfer-Platz war meine Mannschaft, die “Hayvan United”. Meine Kumpel und ich haben schon als Kids bei buntkickgut gekickt und uns vor ein paar Wochen zusammengetan, um wieder eine Mannschaft zu gründen. Für den ersten Platz hat’s nicht gereicht, den machten traditionsgemäß die Harras Bulls, aber darum ging es uns auch garnicht. Wir wollten ein Zeichen gegen Hass und Rassismus setzten und zeigen, dass es in unserer Heimat München auch anders geht.

(Abdullah Biyik)

© 2012 buntkicktgut

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